Podcast Folge #21

Von Remote-Hacks und Komfortzonen: der Karrierecheck mit Teresa Bauer

Über ortsunabhängiges Arbeiten wird viel geredet, gebloggt und auf Insta gepostet. Doch Teresa springt mit www.GetRemote.de nicht auf den Digitalen-Nomaden-Zug auf, sondern ihre Mission ist es die ortsunabhängige Festanstellung salonfähig zu machen. In dieser Interviewfolge erzählt sie davon, wie sie sich erst als Angestellte und später als Führungskraft mit einem eigenen Team vom Büro unabhängig gemacht hat.

Teresa ist nicht nur leidenschaftliche Verfechterin von Remote Work, sie geht dabei auch mit einem wahren Kämpferinstinkt an die Sache ran. Sie hat sich derart gut vorbereitet auf ihr Vorhaben, sich vom Büro ihrer Agentur unabhängig zu machen, dass ihr damaliger Chef im Grunde keine Chance hatte, als ihrem Plan zuzustimmen.

Diese Erfahrungen hat sie in ein Coachingprogramm gegossen. Mit einem klaren Dreipunkteplan geht Teresa mit ihren Coachees ans Werk, und die wichtigste Botschaft: Nutze was du hast und mach das beste draus. Nicht jede*r ist für die Selbstständigkeit geeignet, aber du bist verantwortlich für deine eigene Situation und die kannst du ändern, weiß Teresa. Der folgende Artikel beleuchtet ihren eigenen Lebensweg und gibt dann die wichtigsten Tipps um remote erfolgreich zu sein.

Der Auslöser der kompletten beruflichen Veränderung setzte mit Teresas Neffen ein. Anstelle ihn gar nicht mehr aufwachsen zu sehen und stattdessen in Berlin im Büro zu sitzen, ging sie als Account Managerin zu ihrem Chef und fragte einfach offen nach ihren Optionen. War es nicht möglich einfach von Passau aus zu arbeiten? Als Chef konnte er, durch eine gut durchdachte Planung und Durchsetzungsvermögen kaum Nein sagen und so befand sich Teresa wenig später in der Schritt-für-Schritt-Planung ihrer neuen Woche.

“Wenn du Führung übernehmen willst für dein eigenes Leben, dann übernimm auch die Verantwortung dafür.”

Die Zweifel und Barrieren der Selbständigkeit

Später, in der eigenen Selbständigkeit, nahm sich Teresa die finanziellen Zweifel grundlegend zu Herzen. Die Anfragen blieben aus nachdem es doch erst so gut anlief. Was genau lief schief? Aus heutiger Sicht kann sie Freelancern immer nur den Tipp geben: überbuche dich selbst. Aufträge kommen und gehen sehr schnell, das solltest du wissen und dahingehend gleich von Anfang an planen.

Diese nagenden Zweifel lassen sich am ehesten lösen, indem sie sich erinnert warum sie diesen Weg überhaupt eingeschlagen ist.

“Es gibt so viele Mitarbeiter, denen remote work gut tun würde und die in Unternehmen sehr gut aufgehoben wären, wenn diese nicht solche Scheuklappen hätten. Hier ist noch viel Arbeit zu leisten. Ich habe mich nicht selbständig gemacht, weil ich meine Festanstellung nicht mochte, sondern weil ich die Vogelperspektive einnehmen konnte für andere, die meinen Lebensstil spannend fanden.”

Die Abkehr vom Angestelltenverhältnis

Wenn man Teresa vom Verlassen der Komfortzone erzählen hört, ist man eigentlich erstaunt, wie einfach diese Entscheidung für sie war.

„Ich kann im Winter nach Thailand, ich kann nach Passau zur Familie und sehe zwischendurch mein Team. Wenn ich da jetzt bleibe, in meiner Komfortzone, dann kommt die Message nicht in die Welt.”

Für Teresa kommt der gedankliche Wandel immer mit dem Überschreiten mit einer persönlichen Grenze. Wenn es einem ein bisschen schlecht geht, reicht es manchmal nicht und wenn man etwas nur ein bisschen will, reicht es auch noch nicht. Einer dieser beiden Pole muss in bestimmter Stärke da sein. Als Teresa das Angebot bekam, die Leitung eines Unternehmens zu übernehmen, stimmte sie nur unter der Bedingung zu, dass ihr Team ebenfalls ortsunabhängig arbeiten könne. Aufgrund dieser Aufgabenstellung kamen schon wieder ganz eigene Problemstellungen hinzu.

Wie führt man ein eigentlich ein Team remote?

Zwei Jahre hatte sich kein anderer Kollege für ortsunabhängiges Arbeiten interessiert. Hier gab es dann auch schon große Gegenwehr und Umstellungsproblerme: wenn sich zwei Stunden niemand auf eine Mail oder einen Chat meldet, wird Teresa unruhig.

Daraufhin begann sie eine Ausbildung zum Teamcoach um besser mit den Hindernissen umgehen zu lernen und hält heute besonders an einem Statement fest. Schaffe eine Atmosphäre, in der klare Do’s und Dont’s gelebt werden. Damit ortsunabhängige Zusammenarbeit in einem festen Team funktioniert, braucht es ganz klare Regeln.

Doch wie setzt man diese um, wenn sich keine unmittelbare Kommunikation im Büro herstellen lässt? Remote-Teams arbeiten oft mit Hacks auf die sich alle einigen um die Kommunikation und Aufgaben zu erleichtern:

  1. In welcher Antwortzeit befinden wir uns? Sind wir in einem Call? Unterwegs? Hier ist es gut sehr diszipliniert die Statusanzeige in Chats wie Slack zu bearbeiten.
  2. Konsequent Emojis nutzen um Emotionen darzustellen, die im Text verloren gehen. So stellt man eine gemeinsame Kultur her und es passieren weniger “Übrsetzungsfehler”.

Wie schafft man sich nun seine eigenen Remote-Position?

  1. Bewerbung bei einer Firma, die Remote-Arbeitsstellen anbieten. Auch generell gut ist es sich auf solche Stellen zu bewerben um den eigenen Marktwert zu checken und als zweigleisige Strategie. Auch ein Tipp: sich generell bewerben um bei Angboten ein Mindeset-Shift hinzukriegen. Es verändert sich das eigenen Selbstbewußtsein und damit die Möglichkeiten.
  2. Bei dem aktuellen Job das herauszuhandeln. Strategie um das Gespräch vortzubereiten: Mindset-Arbeit, Vorbereitung des Gesprächs, Durchführung mit Testphase und allem.
  3. Kündigung, in die Selbstständigkeit gehen oder sich neu bewerben. Aber wichtig: Die Analyse, warum der Wunsch zu gehen so groß ist, muss erfolgen. Oft sind es Rahmenbedingungen, die sich ändern sollten um das „Ich kann da nicht raus!“ Gefühl abzumildern. Auch wichtig: 6 Monate suchen und sich vorbereiten, statt einer Kurzschlussaktion.
  4. Wichtig: die Sache aus der Brille des Chefs betrachten, zu lernen wie Entscheidungen passieren. Was ist mein eigener Wert? Was würde passieren wenn ich gehe? Wenn ich schon mit der Einstellungen reingehe, dass es sowieso nicht klappt, dann wird es auch scheitern.

Obwohl sie sich als Kämpferin sieht, hatte Teresa immer mit einem absoluten Harmoniebedürfnis zu kämpfen. Sie musste lernen Kritik zu äußern ohne dann wieder den Honig mitzunehmen. Das man als Führungskraft manchmal den Konflikt aushalten muss oder den Posten nicht gut erfüllt, war ein Learning-Prozess im Laufe ihrer Karriere.

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