WOCHE 6: INSPIRATION

Heldenhafte Vorbilder - Anne Kjaer Bathel

Lies dir heute unsere New Work Heroes Geschichten durch – alle Heldinnen und Helden haben ihre ganz eigenen Wege erkundet und Entscheidungen getroffen. Wenn du dich für eine Story besonders interessierst: der New Work Heroes Podcast hat fast alle davon einmal interviewt und das Adventure im Detail durchlaufen.

 

Anne Kjaer Bathel, der Helfertyp

 

Anne Kjær Bathel ist Mitgründerin und Managing Director der gemeinnützigen ReDI-School of Digital Integration, die Geflüchtete durch Technologie-Expertise beim Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützt. 

Vom Kindergarten bis Studium – immer mit der Frage nach dem “Warum” 

Anne kommt ursprünglich aus Dänemark, wuchs aber ab ihrem elften Lebensjahr in einem kleinen Dorf in Norwegen auf. Inspiriert durch das, was in der Welt vorging, fühlte sie sich als Teenager oft eingeengt und suchte nach Abenteuern. Schon damals folgte sie ihrem idealistischen Vorstellungen, um einem höheren Purpose zu dienen.

Als Einzelkind diskutierte sie früh bei den Diskussionen der Erwachsenen zu und lernte, immer wieder nach dem “Warum” zu fragen und sich durch ihren Wissensdurst treiben zu lassen. So kam es nicht überraschend, dass sie sich für ein Studium für Social Innovation und Change Management an der KaosPilot in Dänemark entschied.

Von der anfänglichen Vision, die interkulturelle Zusammenarbeit zu verbessern, bewegte sie sich bald hin zur Frage: Wie können wir soziale Herausforderungen mit Technologien bewältigen und wie lassen sich diese verschiedenen Möglichkeiten zusammenbringen?

 

„Mein Job ist es immer Brücken zu bauen.“

Was sie jeden Tag in ihrer Arbeit antreibt, ist ihr Purpose – das Brückenbauen zwischen Kulturen, Non-Profit und For-Profit und zwischen sozialem und von Kapital Organisationen gesteuerten. In ihrer beruflichen Vergangenheit bei Samsung und ebenso ihrem Aufenthalt in Japan, als sie mit dem Rotary Peace Fellowship betraut wurde, lernte sie, Innovationsprozesse zu verbessern und gewann für ihre Arbeit erste Anerkennungen des Berlingske Business Magazins als eine der führenden Talente unter 35 Jahren. Wahnsinn oder? 2012 zog Anne nach Berlin und genießt seither den ‘Melting Pot’ unterschiedlichster Kulturen und Anknüpfungspunkte für ihre Arbeit. So half sie das Berlin Peace Innovation Lab in Kollaboration mit der Stanford University aufzubauen, bevor sie als erste Reaktion auf die Flüchtlingskrise in 2015 Refugees on Rails mitgründete und ihre Idee für die ReDi School entfachte.

 

Mit Technologie und Menschlichkeit die Zukunft hacken

Am Anfang stellte sie sich, wie ich und viele andere auch: Wie kann ich helfen? Die Antwort kam ganz natürlich bei einem zufälligen Gespräch in einer Flüchtlingsunterkunft, wo Anne einen jungen Iraker traf, der ein IT-Studium Abschluss hatte, aber keinen Zugang zu einem Laptop. Im Augenblick setzte Annes Helferinstinkt ein und sie stellte die Verbindung her:

40.000 unbesetzte Programmierer-Jobs auf der einen Seite und viele Geflüchtete auf der anderen Seite. Der Purpose für ReDI war geboren.

Technikaffinen Geflüchteten durch Programmierkurse und Zugang zu einem Netzwerk an Führungskräften, Mentor*innen und Alumni helfen, neue Möglichkeiten für alle zu kreieren.

Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt kündigte sie ihren Vollzeitjob und baute gemeinsam mit Mitgründer Ferdi van Heerden ein Team auf, das sechs Monate lang ehrenamtlich für die Sache arbeitete. Es kostete viel harte Arbeit und Durchhaltevermögen, aber Anne glaubte an ihre Vision und schaffte es, ihr Team ebenso mitzuziehen und ihr zu vertrauen. 

Heute hat ReDI wirklich beeindruckende Auswirkungen erzielt, wobei 200 Schüler den letzten Kurs abgeschlossen haben und Umfragen zeigen, dass 50% bereits in Praktika oder Festanstellungen arbeiten. Darüber hinaus haben 20% den weiteren Weg in die Universität gewählt und 10% haben ihr eigenes Startup gegründet. Eine Erfolgsgeschichte, die ohne Annes Führungsstärke, Resilienz und Idealismus keine annähernde Wirkung erzielt hätte. Was ihr am Herzen liegt, ist die Verbindung von Menschen, unabhängig von Herkunft und Hintergrund, und der Einsatz für eine gemeinsam gelebte, zukunftsfähige Gesellschaft.

Übrigens zeigt sich ihr erzielter Einfluss in den hohen Rängen der Wirtschaft und Politik. So waren bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel, Facebook Gründer Mark Zuckerberg und ehemaliger US-Botschafterin für die UN, Samantha Powell zu Besuch und tauschten sich mit den Schüler*innen aus.