WOCHE 3

Wer wollte ich denn früher sein?

Eine Erfahrung freudiger Vollendung stammt aus meinem 13. Lebensjahr. Zusammen mit meinem Bruder baute ich eine Riesenschaukel mit einfachsten Mitteln. 12 Meter hoch, zwei angebrachte Seile und ein kleines Brett als Schaukelsitz ergaben das perfekte Spielzeug. 

Die größte Schaukel der (meiner) Welt - Abenteuer und Pioniergeist!

Unsere Mutter hatte große Mühen uns abends überhaupt wieder hereinzuholen und die Nachbarn litten jahrelang an lauten Freudenschreien als wir tagein, tagaus 20 Meter durch die Luft segelten. Sobald ich an diese Schaukel denke, werde ich nostalgisch. Und: ich sehe auch Parallelen zu meiner jetzigen Arbeit und meiner früheren: als ausgebildeter Raumausstatter und Unternehmer liegt es mir einfach im Blut Visionen ins Leben zu rufen.

Ein Spielplatz voller Möglichkeiten - oder eine Sackgasse?

Diese Übung bereitet vielen unserer Coachees zu Anfang Schwierigkeiten. Tausend Gründe sind dafür schon genannt worden: einigen fällt es schwer Momente des Glücks heraus zu filtern, die sie als bedeutungsvoll bewerten, andere haben soviele Beispiele, das das ganze Blatt in 5min. ausgemalt wird und dann fällt es schwer sich zu entscheiden, welche Relevanz diese Erinnerungen denn genau für sie hatten.

Klar ist, Momente freudiger Vollendung müssen keine großen Ereignisse sein. Manchmal reicht eine kleine Sache aus: hast du gerne Gedichte geschrieben? Standest du einmal auf der Bühne? Hast du etwas mit anderen gebaut oder warst mutig in einer Entscheidung? Vielleicht hast du gerne statisch fragwürdige Türmchen aus Steinen gebaut? Gestehe dir einfach ein, dass nur du selbst deine Antwort wertest, kein anderer. Mach dir folgende Grundsätze vor der Beantwortung auf jeden Fall nochmal klar:

  • Deine Story muss nicht perfekt visualisiert oder beschrieben werden.
  • Du selbst entscheidest, was du als freudige Vollendung definierst.

Dutzende Studien sind zur Verbindung zwischen Kindheitsträumen und der erwachsenen Realität entwickelt worden. Woher kommt dieser Gedanke, dass wir als Kinder den ersten Grundstein für die Entwicklung einer eigenen Karriere legen - manchmal auch ganz unbewusst?

In unserer Kindheit spielen und lernen wir “erstmal nur”. Wir geben unseren Wünschen und Bedürfnissen, sofern wir das denn in unserer Hand haben, einfach nach. Wir wandern mit Stöcken, die sich anfühlen wie professionelles Expeditionszubehör, wir verstecken uns vorm Fernseher und spielen Games, wir bauen ein Baumhaus oder erzählen liebend gerne unseren Geschwistern Schauergeschichten.

Unsere Träume sind unmittelbar geprägt von den Dingen, die uns Spaß machen. Keiner unserer Freund*innen im Kindergarten ist interessiert an der Forbes “40 under 40” Liste, um schnell mal abzugleichen wie weit wir es denn bisher geschafft haben. Wir sind, auch wenn wir uns unendlichen Zugang zur Keksdose sehnlichst herbei wünschen, genügsam.
Geld, Ansehen, Social Media – was ist das eigentlich?

Wenn wir uns das bewusst machen, wird uns auch schnell klar, warum die Kindheit ein wichtiger Ort ist, an dem wir eine Weile mit unseren Gedanken bleiben sollten. Karriere hat uns noch gar nicht interessiert. Der Spaß, die Leidenschaft und der Zeitvertreib standen einfach im Mittelpunkt – und das ganz ohne Yoga-Retreats, Online-Kursen und Skills, die wir jetzt als überlebenswichtig empfinden.

Deine Story muss nicht perfekt visualisiert oder beschrieben werden. Du selbst entscheidest, was du als freudige Vollendung definierst.